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Dernière mise à jour :
mercredi 28 juin 2017
   
Brèves
Mardi 21 mai - La Revue Z à Terra Nova
lundi 20 mai
Mardi 21 mai 2013 à 19h, rencontre à la Librairie Terra Nova de Toulouse avec l’équipe de la revue Z à l’occasion de la parution du dernier numéro Thessalonique & Grèce, aux éditions Agone. Après une enquête collective au nord de la Grèce, la revue Z viendra présenter son dernier numéro : Thessalonique dans la dépression européenne. Bricolages quotidiens et résistances insolvables.
Groupe de Liaison pour l’Action des Travailleurs
lundi 6 février
Le sommaire des articles de la revue Lutte de classe, publiée par le GLAT, a été largement augmenté, notamment sur la période 1971-1975. Pour tous les numéros listé, une version PDF est maintenant accessible en ligne. Bonnes lectures !
Mise à jour du catalogue du fonds documentaire
jeudi 1er septembre
Une nouvelle version mise à jour du Catalogue du Fonds Documentaire Smolny, très largement étendue (une vingtaine d’entrées supplémentaires) est en ligne ce jeudi 1er septembre 2011. Merci aux contributeurs. D’autres titres à suivre...
Ouverture des archives numériques du CERMTRI
lundi 15 août
Le CERMTRI a décidé de créer une bibliothèque numérique avec l’objectif de numériser le maximum de ses archives et de ses collections. Pour démarrer : La revue « Bulletin Communiste » (1920-1933) ; le journal « La Vérité » (1957-1958) ; la revue des « Cahiers du mouvement ouvrier » (2002-2011). Soit déjà 428 documents ce qui représente 6395 pages. Bravo pour cette excellente initiative !
Sur le Web
[infokiosques.net]
Nous nous auto-organisons et nous montons un infokiosque, une sorte de librairie alternative, indépendante. Nous discutons des publications, brochures, zines et autres textes épars qui nous semblent intéressants ou carrément nécessaires de diffuser autour de nous. Nous les rassemblons dans cet infokiosque, constituons ainsi nos ressources d’informations, et les ouvrons au maximum de gens. Nous ne sommes pas les troupes d’un parti politique, ni les citoyen-ne-s réformateurices de nos pseudo-démocraties, nous sommes des individus solidaires, qui construisons des réseaux autonomes, qui mettons nos forces et nos finesses en commun pour changer la vie et le monde.
Premiers pas sur une corde raide Montreuil (93) : concert de soutien au Rémouleur, samedi 11 octobre 2014 qcq Tout mais pas l'indifférence Crise, totalitarisme, luttes sociales et de classe en Grèce Bruxelles : programme de septembre 2014 au local Acrata
Bibliolib
Catalogue de textes d’origine libertaire ou anarchiste, sans habillage particulier (pas de commentaire, d’édition critique, de note). Les textes bruts donc avec une liste d’auteurs qui commence à être significative. Un bon point d’entrée donc pour ceux qui savent à l’avance ce qu’ils cherchent. Attention : ce site s’est fait subtilisé sa précédente adresse par un site pornographique. Notre propre lien a donc été incorrect quelque temps. Nous en sommes désolé.
Pelloutier.net
Sur l’histoire du syndicalisme révolutionnaire et de l’anarcho-syndicalisme, avec des études, documents et synthèses intéressantes sur Pelloutier, Monatte, La Vie Ouvrière (1909-1914) et sur les mouvements syndicalistes en France, Europe, USA...
Balance
Cahiers d’histoire du mouvement ouvrier international et de la Guerre d’Espagne. Nombreux articles en espagnol. Textes de Bordiga, entre autres.
Classiques des sciences sociales
Une bibliothèque numérique entièrement réalisée par des bénévoles, fondée et dirigée par Jean-Marie Tremblay, sociologue. Comprend de très nombreuses oeuvres du domaine public. La section des "auteurs classiques", en particulier, est une véritable mine, où l’on trouve Bebel, Bordiga, Boukharine, Engels, Fourier, Gramsci, Kautsky, Labriola, Lafargue, Lukacs, Luxemburg, Marx, Trotsky et bien d’autres.
1921-03-27 : Paul Levi an Lenin
Deutschlands Lage - KPD Taktik - März Aktion
7. März 2012 von eric

Verehrter Genosse Lenin  [1] !

Die Situation, die jetzt in Deutschland eingetreten ist, veranlaßt mich, Ihnen meine Auffassung über die Dinge klarzulegen. Ich schicke eines voraus: Bei der Betrachtung der Dinge spricht keineswegs die Tatsache mit, daß ich von der Leitung der Kommunistischen Partei zurückgetreten bin. Denn jeder, der meine Neigungen kennt, weiß, daß ich den Rücktritt von der Leitung der Kommunistischen Partei eher als ein Freudiges empfunden habe, denn als das Gegenteil, und so bin ich auch, glaube ich, in der Lage, ganz ohne Mißstimmung über die Lage in Deutschland zu urteilen, und ich bin auch um so eher, glaube ich, imstande, ohne Mißstimmung zu urteilen, als der verhältnismäßig langsame Gang der Ereignisse in Deutschland auch mich oft zum Nachdenken veranlaßte, und ich es an sich gar nicht ungern sah, wenn andere Männer die Leitung der Partei ergriffen. Die Leitung aber, die jetzt die Partei hat, die, das glaube ich mit Bestimmtheit sagen zu können, führt in einem Zeitraum von 6 Monaten längstens zum völligen Zusammenbruch der Kommunistischen Partei, und diese Tatsache veranlaßt mich und der ganze Ernst, mit dem ich hienach die Situation sehe, drängt dazu, mich an Sie zu wenden. Ich nehme an, daß Sie außer den Pressenachrichten Bericht erhalten werden, deren Inhalt ich nicht kenne. Ich möchte demgegenüber meine Darstellung der Ereignisse geben. Sie wissen, daß vor 4 Wochen ein Genosse von KI  [2] nach Deutschland gesandt wurde. Ich selbst hatte erst vor etwa 10 Tagen eine - bis jetzt einzige - Unterredung mit ihm. Vor mir hatte er Besprechung mit Zentral-Mitgliedern, deren Inhalt ich nicht kenne, sondern nur schließen kann aus der Unterredung mit der Genossin Clara  [3], die der Unterredung mit mir 9 Tage voranging. Der Inhalt der Unterredungen mit mir und mit der Genossin Clara, die mir sofort Bericht erstattete, war folgender: Der Genosse erklärte: Rußland befinde sich in einer außerordentlich schwierigen Situation. Es sei unbedingt erforderlich, daß Rußland durch Bewegungen im Westen entlastet würde, und aus diesem Grund müsse die deutsche Partei sofort in Aktion treten. Die VKPD zählte jetzt 500.000 Mitglieder, mit diesen könne man 1.500.000 Proletarier auf die Beine bringen, was genügt, um die Regierung zu stürzen. Er sei also für sofortigen Beginn des Kampfes mit der Parole: Sturz der Regierung. Sowohl die Genossin Clara als auch ich haben dem Genossen gegenüber betont, daß auch wir die Schwierigkeit der Lage Rußlands kennen und anerkennen, wenn wir auch die Details nicht wissen, und daß ganz abgesehen von etwa einer augenblicklichen schwierigen Situation Rußlands auch wir darauf hielten, die Zeit möglichst abzukürzen, in der Rußland gewissermaßen allein steht. Aber wir beide waren der Auffassung, daß es nicht nur keine Hilfe, sondern der schwerste Schlag für Sowjetrußland sei, wenn wir in Deutschland zu Aktionen kommen, die keinen Sieg, sondern einen Niederbruch der Bewegung in Deutschland bedeuten. Der Genosse hielt demgegenüber an der Auffassung fest, daß sofort Aktionen einzusetzen hätten, auch, wie er es nannte, „Teilaktionen“, und auf seinen Rat und sein Drängen hin berief die Zentrale die Zentralausschußsitzung vom 17. März ds. Js., in der „die Arbeiterschaft“ aufgefordert wurde, sofort in Aktionen einzutreten für eine Reihe dort aufgetretener Forderungen, an deren Spitze steht: Sturz der Regierung. Die Ereignisse nahmen nun folgenden Verlauf: Am 17. März fand die Zentralausschußsitzung statt, in der die Anregungen oder Weisungen des von dort gesandten Genossen zur Richtlinie gemacht wurden. Am 18. März stellte sich die Rote Fahne auf diesen neuen Beschluß um und forderte zum bewaffneten Kampf auf, ohne zunächst zu sagen, für welche Ziele, und hielt diesen Ton einige Tage fest. Dieses und die Anweisungen des Vertreters der Exekutive waren die einzige politische Vorbereitung für das, was nun kam. Wenige Tage danach ergriff Hörsing  [4], der Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen, gewisse Maßregeln in den mitteldeutschen Industriebecken, die teilweise wohl allgemein polizeilicher Natur, zum Teil aber auch wohl gegen die dortige stark kommunistische Arbeiterschaft gerichtet waren. Ich vermag nun nicht zu ermessen, ob die Streiks, in die die dortige Arbeiterschaft eintrat, spontan waren oder nicht. Jedenfalls wurden diese spontanen Streiks von der Partei sofort nicht nur unterstützt, was selbstverständlich ist, sondern zum Ausgangspunkt einer Aktion gemacht, die weit über den Rahmen der unmittelbar betroffenen Arbeiterschaft hinausgriff. Hierbei zeigte sich nun, daß die Beurteilung der Situation, wie Genossin Clara, ich und auch viele andere Genossen sie vertreten, die richtige war: Die Situation in Deutschland ist nach meiner Auffassung folgende: Genau so, wie die ganzen Beziehungen Deutschlands zu der Entente, der ganze „Nachkrieg“ in eine gewisse Stagnation getreten war, genau so waren auch die Beziehungen der Klassen in Deutschland in eine gewisse Stagnation getreten, insofern als die bestehenden Gegensätze augenblicklich nicht im offenen Kampf ausgetragen wurden. Eine Stagnation aber insofern nicht, als sowohl innerhalb der Bourgeoisie eine gewisse Konzentration der Kräfte eintrat, aber auch in dem starken Wachstum der Kommunistischen Partei und der inneren Konsolidierung der Partei die entsprechenden revolutionären Gegenkräfte geschaffen wurden. Genauso, wie nun der Nachkrieg seiner kritischen Lösung zustrebte und zustrebt, schien uns auch der Zeitpunkt immer näher herangekommen, in dem auch die Beziehungen der Klassen in Deutschland wieder kritisch würden. Und wir vertraten die Auffassung, daß gerade aus jenen Konflikten des Nachkrieges heraus die Situation in allernächster Zeit entstehen würde, die die Klassengegensätze in Deutschland aus der Stagnation wieder in die Flagranz führen würden. Aus diesem Gedanken heraus war unsere Taktik die, daß wir momentan den Massen das Ziel zu zeigen hätten, das sie aus der kommenden Nachkriegskrise herausführen könne, und von diesem Gesichtspunkt gaben wir die Parole aus: „Bündnis mit Sowjetrußland“. Wir vertreten die Auffassung, daß man den Massen, die bisher apathisch und resigniert hinter den Hoffnungen auf Verständigung mit dem Westen hertaumelten, den Weg nach Osten zeigen müsse, daß sie am Tage des Erwachens aus ihren Illusionen zwangsmäßig gewissermaßen den anderen Weg verfolgen. Unter dieser Voraussetzung waren wir auch der Auffassung, daß man momentan über die Parole „Bündnis mit Sowjetrußland“, nicht hinausgehen solle, und zwar deswegen: Über diese Parole „Bündnis mit Sowjetrußland“ hinaus, schien es uns nicht möglich zu sein, jene Massen in Deutschland mit in die Bewegung zu reißen, die nicht unmittelbar der Kommunistischen Partei angehören. Uns schien, wenn es uns gelingt, mit der der proletarischen Klasse verständlichen Parole „Bündnis mit Sowjetrußland“ die Massen erst einmal in Bewegung zu bringen, alles andere, Sturz der Regierung und was auch immer kommen möge, sich von selbst ergeben wird. Das Wichtigste schien uns für den Augenblick zu sein, durch aktuelle Teilforderungen die Massen erst einmal wieder in Bewegung zu bringen.

Wir waren also der Auffassung, daß es entscheidend sei, die proletarische Klasse - von den kleinbürgerlichen Kreisen usw. nicht zu reden - als solche zu erfassen. Die Genossen, die augenblicklich die Bewegung in Deutschland führen, waren anderer Auffassung. Sie glaubten, daß es genüge und daß es „Teilaktion“ sei, die Kommunistische Partei in Bewegung zu setzen. Dementsprechend wählten sie ihre Parolen nach den Bedürfnissen und den Empfindungen der Kommunistischen Partei und wählten so Parolen, die selbstverständlich erheblich viel weiter gingen als die unseren. Der Genosse, der jetzt die Exekutive in Deutschland vertritt, stand auf dem Standpunkt, daß das Teilaktionen seien und daß Teilaktionen augenblicklich in Deutschland vonnöten seien.

Letzterer Auffassung bin ich auch. Aus der Stagnation, in der die deutsche Revolution sich augenblicklich befindet, wird sie nicht mit einem großen Schlag herauskommen, sondern es wird zunächst wieder zu Teilaktionen kommen, d.h. das Proletariat einzelner großer Städte oder einzelner Wirtschaftsbezirke wird sich wieder erheben. Solche Teilaktionen müssen wir fördern und stützen. Unter Teilaktionen verstehe aber ich nicht, daß die Kommunisten einzelner Bezirke oder des ganzen Reichs private Aktionen unternehmen; denn solchen Parteiaktionen, nicht proletarischen Aktionen, sagten wir voraus, daß kommen würde, was jetzt kam und was die Fortsetzung der eben geschilderten Aktion ist. Nicht ein Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie, sondern ein Kampf der Kommunisten gegen die überwiegende Mehrheit des Proletariats, das der Kommunistischen Partei in dieser Situation nicht nur ohne Sympathie, nicht nur mit einer gewissen Abneigung, sondern direkt im offenen Kampf als Feind gegen Feind gegenübersteht. Ich glaube, daß es für die Richtigkeit dieser Behauptung keines Beweises bedarf, wenn Sie die letzten Nummern der Freiheit  [5] aus diesen Tagen gelesen haben. Daß die Rechtsunabhängigen Schufte seien, ist niemandem etwas Neues, aber daß sie es wagen, in einer Aktion so offen und unverblümt zum aktiven Kampf gegen die Kommunisten aufzufordern, das beweist, daß die Stimmung in der übergroßen Mehrheit des Proletariats in dieser Aktion offen feindlich und aktiv gegen die Kommunisten war.

Damit ist nach meiner Auffassung das Urteil über die Bewegung gesprochen. Mit dieser Aktion ist nicht nur die vielleicht wirklich vorhandene Teilaktion, im besten Sinn des Wortes, in Mitteldeutschland zuschanden gemacht worden, sondern es ist auch nach meiner Auffassung die Frucht eines zweijährigen Kampfes und einer zweijährigen Arbeit der Kommunistischen Partei in Deutschland mit zerstört. Es war eine zweijährige mühevolle Arbeit, den kommunistischen Gedanken nicht nur organisatorisch fest zu verankern, in den Massen, durch Schaffung einer zahlenmäßig so großen kommunistischen Partei, daß sie rein zahlenmäßig neben den anderen großen Arbeiterorganisationen ihre Bedeutung hat, sondern auch - nach vielen Mißverständnissen - seelisch den Kommunismus und die kommunistische Partei in den breiten proletarischen Massen so Wurzel fassen zu lassen, daß diese Massen in den Kommunisten ihre Führer sahen. Wir mußten das Vertrauen der proletarischen Klasse uns erobern. Durchaus in dieser Linie lag auch unser offenes Schreiben  [6] vom Januar dieses Jahres, in dem wir, nachdem wir zahlenmäßig die entsprechende Stärke erlangt hatten, planmäßig jenen zweiten Teil unserer Aufgabe in Angriff nehmen oder vielmehr ausbauen konnten. Nicht nur ist das jetzt zerstört. Sondern wir sind nach meinem Gefühl heute weiter zurück, als wir vor zwei Jahren waren, denn wir haben es jetzt erreicht, daß wir in offener Feindschaft zu jenen großen Arbeiterorganisationen stehen und zur Mehrheit des Proletariats.

Ich will nicht ins Detail eingehen auf das zahlenmäßige Verhältnis der Kommunisten innerhalb der proletarischen Klasse. Ich will nur betonen, daß, abgesehen von Mitteldeutschland, in dem die Kommunistische Partei zahlenmäßig die Majorität hat, nicht nur kein Bezirk in Deutschland ist, in dem die Kommunistische Partei die Majorität hat, sondern vor allem kein Bezirk ist, der so lebenswichtig für den Staat ist, daß dort durch eine Aktion der Kommunistischen Partei allein der bürgerliche Staat beeinträchtigt, geschweige denn gestürzt werden könnte. So sind wir auf die Mitwirkung und auf das Zusammenarbeiten mit der proletarischen Klasse als solcher angewiesen, können uns nur als Vortrupp betrachten, wenn die proletarische Klasse als solche in Aktion kommt und müssen auch stimmungsmäßig in einem leidlichen Verhältnis mit jenen Massen bleiben, wenn wir uns nicht auf lange Zeit die Möglichkeit verschütten wollen, in jenen Massen immer weitergreifenden Einfluß zu gewinnen.

Ich sehe die Lage der Partei bei Fortführung dieser Politik, d.h. bei Fortführung der Aktionen der Partei ohne Rücksicht auf das Gesamtproletariat und unter Umständen gegen das Gesamtproletariat wie folgt an: Die Kommunistische Partei gerät in einen steigenden und scharfen Gegensatz nicht nur zur überwiegenden Mehrheit der proletarischen Klassen, sondern auch aller übrigen Schichten, die in der Revolution bedeutend sind. Die Kommunistische Partei selbst wird zerspalten, weil auch die Massen, die in der Partei sind und die zweifellos brave und aufopferungsfähige Kämpfer sind, auf die Dauer nicht werden dem Bruch, der Feindschaft der ganzen Masse der proletarischen Klasse widerstehen können. So, wie die Sympathie der proletarischen Klasse die Kraft und die Fähigkeit nicht nur der Kommunistischen Partei sondern jedes einzelnen Kommunisten stärkt und hebt, wird die Antipathie der proletarischen Klassen und gar die offene Feindschaft die Kraft und die Fähigkeit der Partei und der einzelnen Parteigenossen mindern und lahmen. Noch zwei oder drei solcher Aktionen wie die jetzige, Aktionen, die das Proletariat als gegen sich gerichtet empfindet und die auch von der Kommunistischen Partei unternommen werden, selbst auf die Gefahr hin, daß sie gegen das Proletariat und die proletarische Klasse gerichtet seien: dann wird die Kommunistische Partei zerbrochen am Boden liegen, und man wird unter viel schwereren Umständen beginnen müssen, das aufzubauen, was jetzt noch steht.

Von dem Schaden, der uns für den Augenblick zugefügt worden ist, will ich nur eines noch erwähnen. Nicht nur haben wir die günstige Situation verscherzt, daß wir für die kommende außenpolitische Krise und für die daraus folgenden Auseinandersetzungen der Bourgeoisie nach innen und außen (Besetzung weiterer Gebiete durch die Entente, steigende Arbeitslosigkeit, Schließung der Betriebe, Stocken der Ausfuhr, neue Steuern, Abbau der Löhne etc. etc.) in einem außerordentlich gespannten Verhältnis zum Proletariat stehen und nicht mehr das Vertrauen der proletarischen Klasse genießen: darüber hinaus haben wir der Bourgeoisie geradezu das geliefert, was sie brauchte, um ihre schwierige Lage sich zu erleichtern. Was die Bourgeoisie am meisten drückt, das ist die Forderung der Entwaffnung seitens der Entente, und was sie am meisten braucht, das sind Dinge, die in den Augen der Entente als Nachweis gelten, daß die Entwaffnung für die deutsche Bourgeoisie im Interesse ihrer Erhaltung als Klasse nicht durchgeführt werden dürfe. Wenn die deutsche Regierung und nicht die Kommunistische Partei die Aktion geleitet hätte, hätte sie nicht anders ausfallen können als so.

Indem ich so die Lage der Kommunistischen Partei für nicht nur schwierig, sondern unter Umständen für verhängnisvoll halte, und indem ich eine Lebensgefahr für die Partei sehe, wende ich mich an Sie persönlich, von dem ich nicht weiß, inwieweit Sie mit Einzelheiten der Politik der Kommunistischen Internationale vertraut sind, mit der Bitte, Ihrerseits die Situation zu überlegen und eventuell entsprechend zu handeln. Ich persönlich denke nicht daran, mich dieser Politik der Kommunistischen Internationale in Deutschland entgegenzustellen. Ich habe bereits dem Vertreter der Exekutive, dem ich meinen Standpunkt darlegte, gesagt, daß ich nichts tun werde, was diese Aktion hemmen wird, denn nach den Vorgängen der letzten Zeit bin ich mir nur zu sehr bewußt, daß man nicht ungern diese meine Bedenken hören würde, um mich auch an Hand dessen zum Opportunisten zu stempeln. Ich habe daher, abgesehen von der letzten Unterredung mit dem Vertreter der Exekutive gegen die Politik der Exekutive keine Schritte getan und sehe jetzt nur die Folgen. Ich werde auch jetzt nicht weiter gehen als etwa eine Broschüre zu schreiben, in der ich meine Auffassung darlege, aber weder bei den in Betracht kommenden Instanzen in Deutschland noch der Exekutive Vorstellungen erheben. Die Genossen, die die Verantwortung tragen, sollen sich durch mich nicht gehemmt fühlen. Aber ich möchte in diesen Tagen und Wochen, die für die deutsche Partei entscheidend sein werden, auch nichts unterlassen haben, und das ist der Grund, weswegen ich mich an Sie wende und Sie bitte, ev. falls Sie meinen Erwägungen zustimmen, auch nur teilweise, das Ihnen geeignet Erscheinende zu unternehmen.

Mit kommunistischem Gruß!


Quelle :

— LEVI Paul, Zwischen Spartakus und Sozialdemokratie, Schriften, Aufsätze, Reden und Briefe, hrsg. von Abendroth, Flechtheim und Fetscher, Frankfurt 1969, S.37-44 ;

— Transkription: Einde O’Callaghan für das Marxists’ Internet Archive. Diese HTML-Markierung und Korrekturen: Smolny, 2012.

[1] Levi versuchte in diesem Brief, Lenin, der mit westeuropäischen Fragen besser vertraut war als seine Emissäre, zum Eingreifen in den Konflikt zwischen der Kommunistischen Internationale und ihm zu veranlassen. Der Brief datiert vom 27. März 1921.

[2] „Ein Genosse vom KI“: Matyas Rakosi von der Kommunistischen Internationale, Mitglied der ungarischen Räteregierung und des Exekutivkomitees der Komintern, 1944-1956 in wechselnden Ämtern die entscheidende Figur der ungarischen Volksrepublik.

[3] „Genossin Clara“: Clara Zetkin.

[4] Hörsing, Otto (1874-1937), 1920-1927 Oberpräsident der Provinz Sachsen, gründete und leitete das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.“

[5] Freiheit: Organ der USPD.

[6] Offenes Schreiben: mit ihm hatte sich Levi im Januar 1921 im Namen der VKPD an alle Arbeiterorganisationen gewandt. Der Brief enthielt eine Art Einheitsfrontvorschlag mit Forderungen wie: Lohnerhöhung, Auflösung der Freikorps, Schaffung eines proletarischen Selbstschutzes etc.

Artikel dieser Rubrik
  1. 1843-10-03 : Karl Marx an Ludwig Feuerbach
  2. 1859-12-11 : Friedrich Engels à Karl Marx
  3. 1873-10-22 : Karl Marx à Nicolaï Frantsévitch Danielson
  4. 1883-02-10 : Friedrich Engels à Eduard Bernstein
  5. 1885-04-23 : Friedrich Engels à Vera Zassoulitch
  6. 1885-09-26 : Élisée Reclus à Jean Grave
  7. 1904-01-21 : Rosa Luxemburg à Paul Löbe
  8. 1906-08-02 : August Bebel an Karl Kautsky
  9. 1906-08-22 : Rosa Luxemburg à Luise Kautsky
  10. 1906-10-08 : August Bebel an Johann Friedrich Westmeyer
  11. 1906-11-16 : Rosa Luxemburg à Georgi Bakalov
  12. 1906-11-xx : Rosa Luxemburg à Georgi Bakalov
  13. 1906-12-16 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  14. 1907-09-02 : August Bebel an Gustav Noske
  15. 1907-10-09 : Rosa Luxemburg à Paul Löbe
  16. 1908-02-04 : Rosa Luxemburg à Wilhelm Dittmann
  17. 1908-03-13 : Rosa Luxemburg à Arthur Stadthagen
  18. 1908-04-20 : Rosa Luxemburg à Luise Kautsky
  19. 1908-08-01 : Rosa Luxemburg à Wilhelm Pieck
  20. 1910-03-12 : Rosa Luxemburg à Konrad Haenisch
  21. 1910-03-17 : Rosa Luxemburg à Luise Kautsky
  22. 1911-05-23 : Rosa Luxemburg à Wilhelm Dittman
  23. 1911-12-02 : Rosa Luxemburg à Konrad Haenisch
  24. 1914-07-29 : Albert Südekum an Theobald von Bethmann Hollweg
  25. 1914-08-31 : Erich von Falkenhayn an Arthur Stadthagen
  26. 1914-09-03 : Karl Liebknecht an die Redaktion der „Bremer Bürger-Zeitung“
  27. 1916-08-17 : Karl Liebknecht au Tribunal gouvernemental allemand
  28. 1918-10-18 : Lénine aux membres du groupe « Spartacus »
  29. 1918-10-18 : Rosa Luxemburg à Sophie Liebknecht
  30. 1918-11-04 : Rosa Luxemburg à Mathilde Jacob
  31. 1918-11-08 : Rosa Luxemburg à Paul Löbe
  32. 1918-11-14 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  33. 1918-11-15 : Karl Liebknecht an Paul Eckert
  34. 1918-11-18 : Rosa Luxemburg à Adolf et Marie Geck
  35. 1918-11-18 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  36. 1918-11-18 : Rosa Luxemburg à Franz et Eva Mehring
  37. 1918-11-24 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  38. 1918-11-29 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  39. 1918-12-20 : Rosa Luxemburg à Lénine
  40. 1918-12-25 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  41. 1918-12-xx : Rosa Luxemburg à Adolf Warski
  42. 1919-01-04 : Rosa Luxemburg à Marta Rosenbaum
  43. 1919-01-11 : Rosa Luxemburg à Clara Zetkin
  44. 1919-03-27 : Paul Levi an Lenin
  45. 1921-03-27 : Paul Levi an Lenin
  46. 1921-09-23 : Paul Levi an Clara Zetkin
  47. 1924-12-24 : Nicolas Boukharine à Félix Dzerjinski
  48. 1926-10-28 : Amadeo Bordiga à Karl Korsch
  49. 1927-11-16 : Adolf Joffé à Léon Trotsky
  50. 1936-04-21 : Victor Serge à la rédaction de « La Révolution prolétarienne »
  51. 1939-06-19 : Léon Trotski à Jean Malaquais
  52. 1939-08-09 : Léon Trotski à Jean Malaquais
  53. 1945-09-10 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  54. 1945-09-24 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  55. 1945-12-10 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  56. 1946-01-10 : Marc et Clara Chirik à Jean Malaquais
  57. 1946-11-20 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  58. 1946-12-07 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  59. 1948-03-18 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  60. 1948-04-08 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  61. 1948-05-09 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  62. 1948-06-xx : Marc Chirik à Jean Malaquais
  63. 1948-08-32 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  64. 1948-10-22 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  65. 1948-11-10 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  66. 1949-02-10 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  67. 1950-01-30 : Adhémar Hennaut au Ministère de la Reconstruction (Belgique)
  68. 1951-03-22 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  69. 1951-04-15 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  70. 1951-05-09 : Natalia Sedova Trotski au comité exécutif de la IV° Internationale
  71. 1951-07-16 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  72. 1951-10-22 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  73. 1952-04-01 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  74. 1952-04-15 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  75. 1952-04-27 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  76. 1952-05-20 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  77. 1952-06-04 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  78. 1952-06-19 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  79. 1952-06-25 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  80. 1952-07-18 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  81. 1952-08-24 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  82. 1952-09-07 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  83. 1952-10-19 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  84. 1952-11-01 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  85. 1952-11-09 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  86. 1953-05-07 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  87. 1953-05-19 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  88. 1953-08-14 : Marc Chirik à Jean Malaquais
  89. 1953-10-20 : Jean Malaquais à Marc Chirik
  90. 1961-11-09 : Natalia Sedova Trotski au journal France Soir