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Cahiers du Communisme de Conseils - Série complète !
vendredi 26 octobre
Les trois numéros manquant (1, 2 & 5) sont maintenant disponibles dans les sommaires de la revue des Cahiers du Communisme de Conseils. Que les volontaires pour les transcriptions n’hésitent pas à se signaler... En attendant, bonne lecture !
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dimanche 5 août
Neuf des douze numéros de la revue des Cahiers du Communisme de Conseil (1968-1972) sont maintenant accessible en version numérique au travers du sommaire général.
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dimanche 5 août
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Controverses
Revue publiée par le Forum de la Gauche Communiste Internationaliste : C’est pour contribuer à déblayer la voie vers la clarification et le regroupement sur des bases théoriques, politiques et organisationnelles saines que Controverses a vu le jour. En d’autres termes, tout en tenant compte du changement de période qui n’est plus au reflux mais à la reprise historique des combats de classes, notre objectif essentiel est de reprendre ce qui était le souci de Bilan mais qu’il n’a pu mener complètement à bien compte-tenu des conditions d’alors : « ...une critique intense qui visait à rétablir les notions du marxisme dans tous les domaines de la connaissance, de l’économie, de la tactique, de l’organisation », et ce sans « aucun dogme », sans « aucun interdit non plus qu’aucun ostracisme », et « par le souci de déterminer une saine polémique politique ». Ceci est plus que jamais indispensable afin de réussir un nouvel « Octobre 17 » sous peine de se retrouver comme ces « vieux bolcheviks ... qui répètent stupidement une formule apprise par cœur, au lieu d’étudier ce qu’il y avait d’original dans la réalité nouvelle. (extrait de l’éditorial du n°1)
Gavroche - La revue
Le premier numéro de la revue trimestrielle Gavroche est sorti en décembre 1981. Il prenait la suite du Peuple français, belle aventure éditoriale des années soixante-dix. Depuis plus de 20 ans, la revue s’attache à la retranscription des fêtes, des travaux, des luttes et des joies du principal acteur de l’histoire : le peuple. Gavroche fait aussi resurgir des événements jusque-là ignorés ou passés volontairement sous silence.
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Le journal des chefs d’ateliers et ouvriers de la soie à Lyon, hebdomadaire phare de la presse ouvrière, paraît d’octobre 1831 à mai 1834. Ce site en donne à lire l’intégrale des articles, suite à un remarquable travail empreint d’une grande rigueur scientifique. Indispensable pour l’étude des insurrections des canuts de 1831 et 1834.
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SPARTAKUS a07 : Zur Information
Spartakus Briefe Nr. 7 von 1915
1. Oktober 2013 von eric

DIE ANNEXIONSGELÜSTE DER KAPITALISTEN

Bei Beurteilung der Eingabe der „wirtschaftlichen Verbände“ [1] ist im Auge zu halten, daß die unterzeichneten Verbände, vor allem der „Bund der Landwirte“, „Bund der Industriellen“ und „Zentralverband der deutschen Industriellen“ die einflußreichsten Kreise des Junkertums und der Bourgeoisie umfassen. Das Wort des Herrn...: „Wir arbeiten ja nur für Sie, meine Herren“, gilt nicht nur für die innere, sondern auch für die auswärtige Politik. Wenn früher die „kleine aber mächtige Partei“ der Junker die Fäden in der Hand hielt und auch gegen einen Bismarck ihren Willen durchzusetzen wußte, so sind heute die Mammonarchen im Verein mit den Junkern noch viel mächtiger, und ein Bethmann ist kein Bismarck und versucht nicht einmal gegen den Stachel zu locken.

Man erfährt also aus der Eingabe, daß sowohl im März, als die Versuche zur Friedensvermittlung von Seiten des Präsidenten Wilson stattfanden, als auch im Mai, als bereits das Eingreifen Italiens sicher war, diese Kreise sich gegen jede Friedensmöglichkeit wendeten, wenn der Frieden nicht die von ihnen angestrebten Annexionen bringt. Dadurch wird das Gerede vom „Durchhalten“, das leider selbst von Sozialdemokraten unterstützt wurde, ein besonderes Relief.

Was diese Kreise wollen, ist nun aber nur zu erreichen, wenn die Zentralmächte ihre Gegner derart zerschmettern, daß diese auf jede Friedensbedingung eingehen müssen. Denn es ist vollständig klar: Eine Unterjochung Belgiens und die Abreißung des nördlichen Industriegebietes von Frankreich würde Deutschland zum Beherrscher Europas machen; Frankreich würde aufhören, eine Großmacht zu sein, und der übermächtige Militärstaat Deutschland würde durch die Beherrschung der Kanalküste England bedrohen. Es ist vollkommen klar, daß angesichts solcher Aussichten Franzosen und Engländer allen Grund haben, den Krieg fortzusetzen bis zur völligen Erschöpfung, denn es steht für sie alles auf dem Spiel. Aber auch andere Staaten haben ein lebhaftes Interesse daran, ein solches Kriegsziel Deutschlands zu bekämpfen, da sie keine Sicherheit haben, daß die deutsche Übermacht nicht bei der nächsten Gelegenheit sich gegen sie wendet. Holland, die skandinavischen Staaten und selbst die Vereinigten Staaten müssen in einem Anwachsen Deutschlands zu einem solchen durch Eroberungen übermächtigen Staatswesen eine Bedrohung ihrer Lebensinteressen sehen. Deshalb ist vollkommen klar, daß auf einer solchen Grundlage der Frieden nicht zustande kommen kann, sondern die Gegner Deutschlands ihn fortsetzen müssen und dabei auf weitere direkte oder indirekte Unterstützung der bisher neutralen Staaten rechnen können. Das bedeutet dann eben den Krieg bis zum Weißbluten.

Jedenfalls zeigt dieser Vorstoß, daß alle Lügen von dem deutschen Verteidigungskriege in alle Winde geweht sind: es ist der Eroberungskrieg, der imperialistische Krieg, durch den die herrschende Klasse Deutschlands die Weltherrschaft erringen will.

Von hervorragendem Interesse ist aber auch, wie die Vertreter der deutschen Bourgeoisie sich das Verhältnis zu der Bevölkerung jener Länder, die erobert werden sollen, denken: „Überführung der für die Beherrschung des Landes wichtigen wirtschaftlichen Unternehmungen und Besitzungen in deutsche Hand“, „die Kriegsentschädigung von seiten Rußlands wird in großem Umfange in der Übereignung in Land bestehen müssen“. Das bedeutet also, daß die Fabriken und Bergwerke Belgiens und Nordfrankreichs in die Hände deutscher Kapitalisten übergehen sollen, ebenso der Großgrundbesitz in den zum russischen Reiche gehörenden Gebieten, die man an sich reißen möchte. Es sollen also die Bewohner der annektierten Gebiete zu Heloten herabgedrückt werden, denen man gnädig gestatten wird, für die deutschen Kapitalisten und Großgrundbesitzer zu schanzen! Das ist die Proklamierung eines neuartigen Helotentums. Und um das Maß voll zu machen, dekretieren die Junker und Schlotbarone: die Bewohner der eroberten Gebiete dürfen keinen Einfluß auf die politischen Geschicke des Deutschen Reiches erlangen.

Man stelle sich nur einmal vor, was ein solches Herrschaftsverhältnis für die arbeitenden Massen der unter deutsches Joch Gebrachten bedeuten würde, wie sie von den deutschen Kapitalisten und Großgrundbesitzern niedergetrampelt werden würden, wie jeder Kulturfortschritt ihnen unmöglich gemacht werden würde, wie sie schonungslos ausgesogen werden würden. Jeder Widerstand gegen die schrankenlose Ausbeutung wäre ihnen unmöglich gemacht, denn die wirtschaftliche und politische Fremdherrschaft würde rücksichtslos im Interesse der deutschen Kapitalisten gegen die einheimischen Arbeiter ausgenützt werden. Daß eine derartige Unterjochung, bei der man die Bevölkerung des unterliegenden Landes behandelt wie etwa die Hottentotten oder Buschmänner, nicht zum dauernden Frieden führen kann, liegt auf der Hand. Jeder Gegner des Deutschen Reiches würde im Kriegsfalle auf die Unterstützung dieser Unterjochten rechnen können. Für die soziale Entwicklung wäre es der denkbar schlimmste Schlag: es würden sich deutsche Ausbeuter und Arbeiter anderer Nationalität gegenüberstehen, der Klassengegensatz würde verzerrt durch den nationalen.

Aber der Plan richtet sich selbstverständlich auch gegen die deutschen Volksmassen. Teile von Polen, Litauen und der Ostseeprovinzen sollen annektiert werden, und der Boden soll in die Hände deutscher Besitzer übergehen. Was bedeutet das? Diese Gebiete sind stark bevölkert; einheimische Bauernschaft ringt jetzt allmählich den Großgrundbesitzern den Boden ab. Wird der schöne Plan verwirklicht, dann wird diesen Bauern jede Möglichkeit genommen, Land zu erwerben. Ziehen schon jetzt zahlreiche Saisonarbeiter aus jenen Gebieten nach Deutschland, so würde eine Unterjochung dazu führen, daß der Strom dieser Wanderarbeiter ungeheuer anschwellen würde. Ebenso würden aber die Bauernmassen Belgiens und Frankreichs von der Scholle gedrängt. Man male sich aus, welche Wirkung das auf den Arbeitsmarkt in Deutschland ausüben müßte.

Das hehre Ziel dieses Krieges, wie es die Junker und Schlotbarone wollen, deren Werkzeug die Regierung noch immer war und bleibt, ist also: das deutsche Volk soll sich verbluten, damit jene Clique die Welt beherrscht und in den eroberten Gebieten alles an sich reißt, die Arbeiter der unterjochten Gebiete zu Heloten macht und dadurch gleichzeitig die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter herabdrücken kann. Wehe den Besiegten und — den Siegern!

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ENGLISCHE FRIEDENSANGEBOTE

Am 24. April und am 5. Juni d. J. hat die „Nordd. Allg. Ztg.“ [2] nachdrücklich in Abrede gestellt, daß Friedensverhandlungen mit England stattgefunden hätten oder daß von englischer Seite Versuche zur Anknüpfung von Verhandlungen gemacht worden seien.

Im Anschluß an diese Erklärungen hat der Vorsitzende des Bundes „Neues Vaterland“ [3], Herr Kurt v. Tepper-Laski, an die Redaktion der „Nordd. Allg. Ztg.“ ein Schreiben gerichtet, das von diesem Blatte nicht veröffentlicht wurde, das uns aber der Wiedergabe wert erscheint. Es heißt da:

Ohne die Tatsächlichkeit ihrer Feststellung bestreiten zu können, daß keinerlei Friedensanregungen der englischen Regierung hierher gelangt sind und daß ein angesehener Amerikaner, aus Paris und London kommend, in Berlin mitteilte, daß dort keinerlei Geneigtheit zu Verhandlungen bestehe, scheint mir folgende Erklärung geboten:

Vom 7. bis 10. April 1915 fand im Haag auf Einladung des Niederländischen Anti-Oorlogs Raads [4] eine vertrauliche Vorbesprechung von Delegierten politischer Verbände aus Holland, England, Deutschland, Schweiz, Österreich-Ungarn, Skandinavien statt, um einen internationalen Kongreß vorzubereiten, der die Grundlagen eines dauernden Friedens völkerrechtlich in wissenschaftlicher Form festlegen sollte.

Bei dieser Zusammenkunft nahm der Vorsitzende des NAOR spontan Gelegenheit zu vertraulicher Rücksprache mit zwei deutschen Herren. Der Vorsitzende des NAOR ist der Generalsekretär des holländischen Justizministeriums, Dr. Dresselhuys (entspricht dem deutschen Unterstaatssekretär). Die beiden deutschen Herren waren Professor Walter Schücking (Ordinarius der Universität Marburg) und Herr Kurt v. Tepper-Laski, Rittmeister a. D. Dr. Dresselhuys erklärte den beiden Herren, daß schon zum zweiten Male Engländer von politischem Rang durch ihn Fühlung zu nehmen versucht hätten mit einflußreichen Kreisen in Deutschland, um über Friedensmöglichkeiten zu diskutieren. Einem ausdrücklichen Wunsche nachgebend, habe er — selbst unabkömmlich — seinerseits einen kompetenten Vertrauensmann nach England gesandt, der dort mit einer sehr maßgebenden Persönlichkeit gesprochen habe. Auf Grund dessen erklärte Dr. Dresselhuys den beiden deutschen Herren, England würde sich auf der prinzipiellen Grundlage einer dereinstigen Evakuierung Belgiens zu weitgehenden Kompensationen (Kolonien) verstehen. Wenn hierfür in Berlin Interesse vorhanden wäre, so würde er (Dresselhuys) auf einen telegraphisch ausgesprochenen Wunsch hin bereit sein, nach Berlin zu kommen, um als neutraler und ganz privater Mittelsmann vorläufig unverbindliche Besprechungen zu führen mit dem Ziel, auf Grund dieser Besprechungen das holländische Ministerium zu unterrichten, so daß zuletzt die holländische Königin als vermittelnde neutrale Macht hervortreten könnte. Aber nur auf bestimmte Zusagen hin würde er die Reise unternehmen, da auch er mit ernsthaften Unterlagen versehen sei. Auf die Frage Professor Schückings, ob Dr. Dresselhuys auch dann kommen würde, wenn Deutschland die Bedingung eines rein militärischen Stützpunktes an der belgischen Nordseeküste stellen würde, erklärte Dresselhuys, daß er befürchten müsse, Unterhandlungen würden dann kaum zum Ziel führen, er würde aber auch dann kommen.

Diese Tatsachen wurden nicht nur sofort schriftlich durch Gesandtschaftskurier Sr. Exzellenz Herrn Botschafter a. D. Freiherr Ferd. v. Stumm und Sr. Exzellenz Herrn Grafen v. Leyden, Kais. Gesandten a. D., beide in Fühlung mit dem Auswärtigen Amt, mitgeteilt, sondern auch nach dem 12. April durch Professor Schücking, der schon vor seiner Abreise nach dem Haag Fühlung über die Ansichten und Absichten der deutschen Regierung mit Herrn Ferd. v. Stumm genommen hatte, in Berlin zur Geltung gebracht. Während der Tage nach der Rückkehr der deutschen Herren aus dem Haag ist das Resultat der dort vertraulich gemachten Angaben auch sonst mehrfach mit Personen erörtert worden, die dem Auswärtigen Amt nahestehen. Auch ist eine diesbezügliche Denkschrift den verantwortlichen Stellen übermittelt worden. Exzellenz v. Stumm ließ erkennen, daß er persönlich solchen Verständigungsabsichten sympathisch gegenüberstände, aber nach seinen Informationen ließe sich zur Zeit an leitender Stelle nichts erreichen. Er gab daher den Bescheid, daß man Dr. Dresselhuys ablehnend antworten müsse. Professor Schücking hat dann nach manchen Verhandlungen eine Milderung der Ablehnung bewirkt, indem er schrieb, daß vorläufig sich der Besuch des Dr. Dresselhuys erübrige. Am 24. April erschien dann in der „Nordd. Allg. Ztg.“ die bekannte offiziöse Absage der deutschen Regierung, die sich gegen einen „Sonderfrieden“ mit England wandte. Davon war bei unseren Verhandlungen jedenfalls keine Rede gewesen.

Die auf dem Haager Tag anwesenden Engländer, Professor Lowes Dickinson (Universität Cambridge), eine der bekanntesten politischen Persönlichkeiten Englands, und J. Allan Baker, Mitglied des Parlaments, Vorsitzender der britischen Gruppe der Weltallianz der Kirchen für Internationale Freundschaft, sagten offen, daß sie mit der englischen Regierung ähnlich in Fühlung ständen wie die deutschen Herren mit der ihrigen und gaben zu verstehen, daß für England auch Geld keine Rolle spielen würde, da ja die täglichen enormen Kriegskosten die Lösung der Entschädigungsfrage auf die Dauer immer schwieriger machen würden.

Wieweit bei der auf praktische Erwägungen gestimmten Natur dieser Herren ein subjektives Element vorlag, läßt sich nicht entscheiden.

Danach steht für mich fest:

1. daß schon vor dem April von englischer Seite Annäherungsversuche gemacht worden sind;

2. daß der persönliche Besuch eines Neutralen zu unverbindlichen Besprechungen von deutscher Seite abgelehnt worden ist;

3. daß daher die letzte offiziöse Note der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ über Ungeneigtheit Englands zu Verhandlungen nicht gerechtfertigt erscheint.

Das wird auch erhärtet durch eine von der Wiener „Neuen Freien Presse“ in ihrer Nr. 4 vom 4. Juni übermittelten Notiz, wonach der englische Ministerpräsident Asquith zu einer Deputation, die unter Führung der Amerikanerin Jane Addams anläßlich des Haager Frauenkongresses [5] bei ihm erschien, gesagt haben soll:

Meine Damen! Wir wollen den Frieden, wir wollen ihn rasch, mit Sehnsucht und Ungeduld, doch als Staatsmänner, als Diplomaten, als Reich und als Großmacht können wir nichts tun, können wir die Sache nicht beginnen. Doch arbeiten Sie, meine Damen, durchreisen Sie der Reihe nach die kriegführenden Länder und erwecken Sie überall die Sehnsucht nach dem Frieden, stimmen Sie die Völker und die Mächtigen für den Frieden, und wenn das einmal vorhanden ist, dann beginnen Sie auch drüben in Amerika die große Arbeit des Friedenswerkes.

England wird als erster die sich bietende Gelegenheit ergreifen, denn wir wollen nicht nur den Frieden, sondern wir hätten ihn auch gern.

Bekanntlich ist diese dem Präsidenten Wilson nahestehende Dame, Miss Jane Addams, in der Mitte des Mai auch vom Reichskanzler und von Sr. Exzellenz von Jagow empfangen worden.

gez.: Kurt von Tepper-Laski

Die „Berner Tagwacht“ schrieb dazu:

Für Leser, die mit den diplomatischen Gepflogenheiten nicht vertraut sind, müssen wir ein paar Worte voraussenden, wie derartige Versuche gehandhabt werden. In der Regel kommen Friedensverhandlungen zwischen kriegführenden Staaten durch Vermittlung Neutraler zustande. Indessen kann eine neutrale Regierung nicht aufs Geratewohl ihre „guten Dienste“ anbieten, solange sie nicht die Aussicht hat, daß diese von beiden Parteien gern gesehen werden. Man setzt sich eben einem Refus nicht gerne aus. Daher ist es üblich, erst den Boden zu sondieren, indem man Personen vorausschickt, die keinen verantwortlichen Posten bekleiden, somit die neutrale Regierung nicht engagieren, keine irgendwie bindenden Zusagen machen können, sondern deren Aufgabe einzig darin besteht, mit den beteiligten Regierungen Fühlung zu nehmen. Hat eine neutrale Regierung auf solchem Wege erfahren, daß die Möglichkeit einer Verhandlung vorliegt, dann erst wird sie hervortreten und die Schritte zu diesen Verhandlungen vorbereiten. So wurde im gegebenen Falle verfahren...

Daß es sich um einen durchaus ernst zu nehmenden Schritt handelt, ergibt sich aus den beteiligten Persönlichkeiten. Herr Dresselhuys bekleidet ein hohes Amt in der holländischen Regierung. Schücking und v. Tepper-Laski sind nicht unmittelbar politisch tätig, aber man weiß von ihnen, daß sie gute Beziehungen zu den politischen Kreisen Berlins unterhalten. Von Tepper-Laski, Rittmeister a. D., ist populär als einer der erfolgreichsten Rennstallbesitzer Deutschlands, aber man weiß überdies, daß er ein liberal gerichteter, an humanitären Bestrebungen beteiligter Mann ist, und seine sportlichen Interessen bringen ihn in Beziehung zu den einflußreichsten Kreisen. Schücking ist Professor in Marburg und wurde wiederholt von der Regierung mit Missionen betraut. Gerade weil die beiden nicht aktive Politiker sind, konnten sie dem holländischen Staatsmanne als geeignete Mittelsmänner erscheinen, um ihn in diskreter Weise mit dem Auswärtigen Amte in Verbindung zu bringen.

Es ist bekannt geworden, daß die deutsche Regierung zu jener Zeit dem tollen Plane nachjagte, einen Sonderfrieden mit Rußland zu schließen, was ebenso im Sinne der reaktionären Neigungen wäre, wie es unausführbar ist. Möglicherweise haben diese Pläne die Ablehnung des holländischen und des amerikanischen Vermittlungsversuches beeinflußt.

Der Hauptgrund, warum man ablehnte, ist aber jedenfalls darin zu suchen, daß die deutsche Regierung Annexionsgelüste hegt, die man aufgeben muß, um zu einem Frieden mit den Westmächten zu gelangen. Für diese Gelüste liegen ja genügend Beweise vor.

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FERNWIRKUNG

Das in Paris erscheinende russische Sozialrevolutionäre Tageblatt „Mysl“ („Gedanke“) kommt am Schluß einer Untersuchung über die Stimmungen in der deutschen Arbeiterbewegung zu folgenden Ergebnissen:

Die Idee des Kampfes um den Frieden, des Kampfes gegen den herrschenden aggressiven Nationalismus und Chauvinismus, die Idee des Kampfes der Volksmassen, die sich wiedergefunden haben und sich den besitzenden Klassen und der offiziellen Staatsgewalt entgegensetzen — diese Idee findet zweifellos immer mehr Anhänger und gewinnt in der deutschen Arbeiterklasse mehr und mehr an Popularität.

Damit aber dieses zunehmende „geistige Kapital“ in Umlauf komme und die aufgespeicherte... Energie ein Maximum an sozialer Wirkung liefere, ist es notwendig, daß auch diesseits der Feuerlinie ein ähnlicher Prozeß sich abspielen soll. Es ist notwendig, daß die Arbeiterklasse in den anderen kriegführenden Ländern gleichfalls den Weg der Ernüchterung und Selbstbefreiung beschreite, ihre Selbständigkeit wiedergewinne und sich in eine autonome, aktionsbereite und, wenn nötig, in eine zum gemeinsamen Handeln bereite soziale Macht verwandle.

Wohl noch nie in der Geschichte ist die Richtung der sozialpolitischen Entwicklung in dem einen Lande in solchem Maße wie jetzt von dem Charakter dieser Entwicklung in dem anderen Lande abhängig gewesen.

Zum Schluß heißt es in dem Artikel, die Sozialisten in den Ländern des Dreiverbandes lüden eine große Verantwortung auf sich, wenn sie einen ähnlichen Prozeß in ihren Ländern hemmen würden. Wir freuen uns, daß diese Erkenntnis der gegenseitigen Bedingtheit der sozialpolitischen Entwicklung in den verschiedenen Ländern mehr und mehr um sich greift, und glauben, abgesehen von allen früheren Kundgebungen ähnlicher Art in Frankreich und England, auch in der jüngst gemeldeten Friedensdeklaration der Föderation des Departements Haute Vienne ein Anzeichen dieser Entwicklung in Frankreich feststellen zu können.

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POLNISCHE SOZIALDEMOKRATEN IN DEUTSCHER VERBANNUNG

Die deutsche Militärverwaltung von Lodz hat fünf polnische Genossen — zwei Mitglieder der Sozialdemokratie Russisch-Polens, eins des Jüdischen Arbeiterverbandes und zwei von der Lewitza (dem sozialdemokratischen Teil, der sich von der Polnischen Sozialistischen Partei abgesondert hat) — verhaften lassen und nach Berlin geschickt, wo sie zuerst eingekerkert und dann in das Gefangenenlager in Havelberg gebracht wurden. Die Genossen hatten in öffentlicher, von der Zivilbehörde gestatteter Versammlung Kritik an dem „Bürgerkomitee“ geübt, d. h. einer Gruppe von Fabrikanten, der von dem russischen Gouverneur die Verwaltung übertragen war, als die russischen Beamten flüchteten. Die Arbeiterschaft forderte, daß dieses Komitee nicht willkürlich wirtschafte, sondern öffentliche Rechenschaft ablege und daß ein paar Arbeiter dem Komitee kooptiert würden. Im Vertrauen darauf, daß die Regierung des deutschen Verfassungsstaates nicht nach russischer Art jede Regung der Arbeiterschaft unterdrücken würde, hatten die betreffenden Genossen sich öffentlich betätigt und müssen es jetzt büßen, daß sie die Proklamation der deutschen Heeresleitung an die Polen ernst nahmen, in der es heißt: „Wir bringen euch die Befreiung vom russischen Joch.“

Zu bemerken ist, daß der, Abgeordnete Noske die deutschen Behörden verteidigt, indem er kolportiert, die polnischen Genossen hätten Straßendemonstrationen geplant, was die Behörden „natürlich nicht zulassen konnten“. Die polnischen Genossen erklären indessen, daß dieser Plan nur in der Phantasie des Abgeordneten Noske bestand, der sich als freiwilliger Regierungskommissar aufspielt.


Quellen :

— Spartakusbriefe, Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin, Dietz Verlag, 1958; Vorwort von Dr. Helmut Kolbe; Vorwort zum ersten Band der Spartakusbriefe (Berlin, 1926) von Ernst Mayer; Mit einer Beilage: Faksimiledruck des Spartakusbriefes Nr. 12 vom Oktober 1918, S. 51-59.

— Transkription und HTML-Markierung : Smolny, 2013.

[1] Gemeint ist die Eingabe verschiedener Wirtschaftsverbände vom 20. Mai 1915 an den Reichskanzler, in der die Annexionsforderungen der in Deutschland herrschenden Klassen niedergelegt waren. Siehe S. Grumbach: Das annexionistische Deutschland. Eine Sammlung von Dokumenten, die seit dem 4. August 1914 in Deutschland öffentlich oder geheim verbreitet wurden, Lausanne 1917, S. 123—131.

[2] Gemeint ist die „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“.

[3] Der Bund Neues Vaterland wurde im Januar 1915 ins Leben gerufen. Er betrieb eine chauvinistische Propaganda und diente den Zielen der deutschen Imperialisten.

[4] Der Niederländische Anti-Oorlog-Raad war ein Zusammenschluß verschiedener Vereine mit dem Ziel, dem Chauvinismus in allen kriegführenden Ländern entgegenzuarbeiten. Die Gesellschaft gab die Zeitschrift „Nouvelles de Hollande“ heraus, deren erste Nummer im November 1914 erschien.

[5] Vom 27. bis 30. April 1915 tagte im Haag eine internationale Frauenkonferenz, die sich mit der Frage der Herbeiführung des Friedens beschäftigte. In einer Resolution wurden unter anderem internationale Schiedsgerichte und Abrüstung gefordert. Diese Resolution wurde durch eine auf der Konferenz ernannte Abordnung den Regierungen der kriegführenden Länder übergeben.