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OCRL4 - Erklärung der SPD-Fraktion zur Bewilligung der Kriegskredite
HAASE Hugo (1914) / Édition en ligne
13. November 2014 von eric

Rosa LUXEMBURG, La brochure de Junius, la guerre et l’Internationale ( 1907 - 1916 )

Œuvres complètes, tome IV - Édition en ligne

Erklärung Haases im Namen der SPD-Fraktion zur Bewilligung der Kriegskredite in der Reichstagssitzung vom 4. August 1914

Meine Herren, im Auftrage meiner Fraktion habe ich folgende Erklärung abzugeben.

Wir stehen vor einer Schicksalsstunde. Die Folgen der imperialistischen Politik, durch die eine Ära des Wettrüstens herbeigeführt wurde und die Gegensätze unter den Völkern sich verschärften, sind wie eine Sturmflut über Europa hereingebrochen. Die Verantwortung hierfür fällt den Trägern dieser Politik zu [„Sehr wahr!“ bei den Sozialdemokraten.]; wir lehnen sie ab. [„Bravo!“ bei den Sozialdemokraten.]

Die Sozialdemokratie hat diese verhängnisvolle Entwicklung mit allen Kräften bekämpft, und noch bis in die letzten Stunden hinein hat sie durch machtvolle Kundgebungen in allen Ländern, namentlich in innigem Einvernehmen mit den französischen Brüdern [Lebhaftes „Bravo!“ bei den Sozialdemokraten.], für die Aufrechterhaltung des Friedens gewirkt. [Erneuter lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.] Ihre Anstrengungen sind vergeblich gewesen.

Jetzt stehen wir vor der ehernen Tatsache des Krieges. Uns drohen die Schrecknisse feindlicher Invasionen. Nicht für oder gegen den Krieg haben wir heute zu entscheiden, sondern über die Frage der für die Verteidigung des Landes erforderlichen Mittel. [Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.] Nun haben wir zu denken an die Millionen Volksgenossen, die ohne ihre Schuld in dieses Verhängnis hineingerissen sind. [„Sehr wahr!“ bei den Sozialdemokraten.] Sie werden von den Verheerungen des Krieges am schwersten getroffen. [„Sehr richtig!“ bei den Sozialdemokraten.] Unsere heißen Wünsche begleiten unsere zu den Fahnen gerufenen Brüder ohne Unterschied der Partei. [Lebhaftes allseitiges „Bravo!“ und Händeklatschen.] Wir denken auch an die Mütter, die ihre Söhne hergeben müssen, an die Frauen und die Kinder, die ihres Ernährers beraubt sind und denen zu der Angst um ihre Lieben die Schrecken des Hungers drohen. Zu diesen werden sich bald Zehntausende verwundeter und verstümmelter Kämpfer gesellen. [„Sehr wahr!“] Ihnen allen beizustehen, ihr Schicksal zu erleichtern, diese unermeßliche Not zu lindern, erachten wir als eine zwingende Pflicht. [Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.]

Für unser Volk und seine freiheitliche Zukunft steht bei einem Sieg des russischen Despotismus, der sich mit dem Blute der Besten des eigenen Volkes befleckt hat [Lebhafte Rufe „Sehr wahr!“ bei den Sozialdemokraten.], viel, wenn nicht alles auf dem Spiel. [Erneute Zustimmung.] Es gilt, diese Gefahr abzuwehren, die Kultur und die Unabhängigkeit unseres eigenen Landes sicherzustellen. [„Bravo!“]

Da machen wir wahr, was wir immer betont haben: Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich. [Lebhaftes „Bravo!“] Wir fühlen uns dabei im Einklang mit der Internationale, die das Recht jedes Volkes auf nationale Selbständigkeit und Selbstverteidigung jederzeit anerkannt hat [„Sehr richtig!“ bei den Sozialdemokraten.], wie wir auch in Übereinstimmung mit ihr jeden Eroberungskrieg verurteilen. [„Sehr gut!“ bei den Sozialdemokraten.]

Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht. [„Bravo!“ bei den Sozialdemokraten.] Wir fordern dies nicht nur im Interesse der von uns stets verfochtenen internationalen Solidarität, sondern auch im Interesse des deutschen Volkes. [„Sehr gut!“ bei den Sozialdemokraten.]

Wir hoffen, daß die grausame Schule der Kriegsleiden in neuen Millionen den Abscheu vor dem Kriege wecken und sie für das Ideal des Sozialismus und des Völkerfriedens gewinnen wird. [Lebhaftes „Bravo!“ bei den Sozialdemokraten.]

Von diesen Grundsätzen geleitet, bewilligen wir die geforderten Kriegskredite. [Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.]


QUELLEN

— „Verhandlungen des Reichstags“, XIII. Legislaturperiode, II. Session, Bd. 506, Berlin 1916, S. 8/9.

— Dokumente und Materialen zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 1, Juli 1914 — Oktober 1917, Berlin, Dietz Verlag, 1958, S. 11-12 ;

— Transkription und HTML-Markierung: Smolny, 2014.


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